Vom Kleiderschrank zum Verkaufsladen

 

Die Kleiderkammer in Gotha wird in diesem Jahr 20 Jahre alt. „Das wollten wir mit einem großen Fest feiern“, sagt Tanja Schreyer, Verantwortliche für die Kleiderkammer beim Diakoniewerk Gotha. Durch Corona wird es nun ein stilles Innehalten.

Mit einem Kleiderschrank auf der Empore im Myconiussaal des Augustinerklosters fing alles an. Bevor er gefüllt wurde, wurden auf dem Dachboden Kleidungsstücke und Schuhe, Bettwäsche, Handtücher und Schuhe gesammelt und sortiert. Bedürftige konnten sich zwei Mal im Monat für jeweils zwei Stunden für ein kleines Geld daraus bedienen.

Der Bedarf stieg und so zog die Kleiderkammer in größere Räume um - immer rundherum um den Klosterplatz - bis sie nun im jetzigen Domizil in der Augustinerstraße 27/29 ein Zuhause fand. Es ist das größte Ladenlokal, was die Kleiderkammer jemals hatte und ermöglicht Menschen, darin zu stöbern, wie in einem richtigen Geschäft. „Im Laufe der Jahre sind es immer mehr Menschen geworden, die bei uns Hilfe suchen“, sagt Ingrid Lutze, die seit 15 Jahren ehrenamtlich in der Kleiderkammer arbeitet.

Jeden Vormittag und jeden Nachmittag von Montag bis Freitag steht sie für zwei Stunden hinter dem Tresen: „Es macht mir Spaß, Leuten zu helfen und die Arbeit ist vielfältig“, sagt die junggebliebene Rentnerin. Kein Tag sei wie der andere. Manchmal kommen drei Kunden, manchmal 20. Hin und wieder passiert es, dass eine aufgeregte Ehefrau hereinkommt und nach dem Kleiderbeutel fragt, den ihr Mann den Tag zuvor gebracht hat. Der sollte eigentlich in die Reinigung…

Die Kleiderkammer wurde von Anfang an von Ehrenamtlichen getragen. Derzeit arbeiten dort außer Ingrid Lutze noch weitere sieben Helferinnen. Der Ort ist ein wichtiger Baustein im Netzwerk der verschiedenen Hilfen, die die Diakonie am Klosterplatz anbietet. Für Menschen, die die Hilfsangebote im Beratungszentrum annehmen, sind es kurze Wege und niedrige Hemmschwellen. Das erleichtert den Zugang. Und umgedreht finden Menschen über die Kleiderkammer zu den Beratungsdiensten, denn die Ehrenamtlichen hinter dem Tresen haben immer ein offenes Ohr und helfen gerne weiter.

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